Clubhouse: Diese neue App erobert die Herzen der Social-Media-Fans

Clubhouse ist in aller Munde und dominiert derzeit die Feeds auf Linkedin und Twitter. In einer Zeit, in der viele im Lockdown verweilen, trifft die im Beta-Stadium befindliche App den Nerv der Zeit. Eine App, die wie ein Klubhaus funktioniert und in die man nur mit Einladung Zutritt erhält: eine ähnliche Mechanik war schon vom kurzzeitigen Social Media one hit wonder „Vero“ bekannt. Inzwischen können Nutzer auch ihren erweiterten Freundeskreis einladen und zulassen. Grundlage ist eine neuere iOS Version auf dem Apple Smartphone. 

Andrea Piacquadio | Pexels

Die Nutzerzahlen wachsen im Moment exponentiell in die Höhe, Grund dafür ist auch die rege Nutzung von Influencern wie Caroline Daur, Paul Ripke und Joko Winterscheidt. Inzwischen sind auch Politiker wie Christian Lindner und Fußballstars wie Mario Götze auf der Plattform aktiv. Wer keine Einladung erhalten hat, kann auf einschlägigen Telegram-Gruppen, via Fiverr oder über Online-Auktionsseiten wie Ebay einen Invite ergattern. Ist das eigene Netzwerk bereits auf der Plattform aktiv, können Freunde auch ihre Kontakte zulassen. 

Die App selbst verlangt Klarnamen für Nutzeraccounts und ähnelt in seiner Accountübersicht Twitter. Der Name kann insgesamt einmalig geändert werden. Clubhouse greift im Anmeldeprozess auf die persönlichen Kontakte zu, um sich automatisch mit ihnen zu verbinden. Grundlage dafür ist die eigene Handynummer. Wer dies nicht möchte, lehnt das ab. 

Räume

Die Interaktion findet in sogenannten „Räumen“ statt. Man kann diese selbst erstellen oder sich in eine der bereits existierenden Diskussionen begeben. Die angezeigten Themen entsprechen den angegebenen Präferenzen und der Teilnahme des eigenen Netzwerks. Sie können aber auch über die Suche gefunden werden. Die Gesprächsrunden sind vergänglich und können im Anschluss nicht mehr angehört werden, das erzeugt den „fear of missing out“-Effekt.

Tritt man einem Raum bei, ist man erstmal passiver Zuhörer. Es gibt allerdings auch eine interaktive Komponente: so kann man als Zuhörer die Hand heben, um mitzudiskutieren. Oder die Gesprächsleiter bitten Zuhörer*innen auf die Bühne, was wiederum einen Community-Effekt erzeugt. Innerhalb der Räume werden an oberer Stelle die Zuhörer*innen angezeigt, denen die Speaker folgen. Das bisherige Nutzerfeedback ist äußerst positiv, da sowohl die inhaltliche Qualität der Gespräche als auch Hörqualität der Sprachaufnahmen die Nutzer überzeugt. Kommende Veranstaltungen können in einem Kalender abgespeichert werden.

Eindrücke

Welches Potential in Clubhouse steckt, wurde deutlich, als die Medien-, Politik- und Influencer-Bubbles plötzlich in das Netzwerk stürmten. Es war schon von einem „Once in a Lifetime“-Moment die Rede – und tatsächlich hinterlässt es bleibenden Eindruck, so unvermittelt in spontane Gespräche mit führenden Journalisten, wichtigen VC-Investoren oder Spitzensportlern zu hüpfen.

Zwar gab es auch viele selbstreferentielle Clubhouse-Rooms zu „Was ist eigentlich Clubhouse?“. Diese Gespräche sind für eine Plattform, die sich im Wachstum befindet, zwar interessant, auf Dauer machen spitzere Themen, die sich weniger „um sich selbst drehen“ sichtbar mehr Spaß. 

Vor allem ungewöhnliche Formate wie junge Winzer, die den Einfluß der Digitalisierung für ihr Wein-Business besprechen, bleiben hängen. Auch Gesprächsrunden wie der „Mittag im Regierungsviertel“, bei denen sich Vertreter*innen aller Parteien wie in der Bundestagskantine miteinander unterhalten, zeigen eindrucksvoll, welche Möglichkeiten es auf Clubhouse – gerade im Vergleich zu etablierten Plattformen wie Twitter – gibt. Der Ton macht die Musik, und der Umgang ist auf Clubhouse (zur Zeit) noch sehr gepflegt.

Clubhäuser

In die Zukunft geschaut, ist vor allem die Funktion namens „Clubhäuser“ vielsprechend. Diesen kann gefolgt werden, sie fungieren als Hubs für Veranstaltungen. Um ein eigenes Clubhaus zu eröffnen, muss man mindestens drei Mal Host einer Gesprächsrunde gewesen sein und das Haus beantragen – dies ist in Amerika, wo die App bereits länger auf dem Markt ist, schon etabliert. Erwartungsgemäß wird dieses Feature auch in Deutschland steigende Wichtigkeit erfahren.

Kritik

Kritische Stimmen verweisen darauf, dass es noch keine gute Infrastruktur gibt, was zum Beispiel die Moderation von beleidigenden Kommentaren anbelangt. Auch der Invite-only-Charakter der App wird nicht nur positiv gesehen, zudem gibt es Datenschutzbedenken. 

Auch fällt oft der Hinweis auf fehlende Vielfalt in Moderation und Sprecher*innen. Da dies durch gute Vorbereitung, Einladungsmanagement und aktive Room-Administration von den Organisatoren der Rooms aktiv gelöst werden kann, werden intelligente Konzepte für Clubhouse-Chats sicherlich an Bedeutung gewinnen. Schon jetzt wird deutlich, wie wertvoll eine kluge Moderation ist, die möglichst diverse Stimmen zu Wort kommen lässt.

PIABO @ Clubhouse

Auch PIABO ließ es sich als eine der führenden Tech-Agenturen Europas nicht nehmen, bei den ersten großen Clubhouse-Talks dabei zu sein und schließlich auch selbst Räume auszurichten. Allen voran Gründer, CEO und nicht zuletzt auch Tech-Enthusiast Tilo, der mit seinem Netzwerk aus Kommunikatoren, Investoren und Journalisten bereits erste erfolgreiche, wiederkehrende Formate schuf. 

In „Was machst du? Wer bist du?“ setzt sich Tilo beispielsweise aktiv für das digitale Ökosystem ein und hilft dabei, wichtige Themen zu besprechen oder sich einfach und unkompliziert zu vernetzen. Konkrete und zukunftsträchtige Themen diskutiert Tilo in seiner Session „Business Class: Zukunftsmacher*innen im Gespräch“. Hier liegt der Fokus auf Innovationen und den Köpfen dahinter. 

Clubhouse Tilo Bonow

„Clubhouse schafft ein Gefühl der Verbundenheit in Zeiten, wo physische Treffen auf Konferenzen nicht möglich sind. Persönliche Diskussionen, direkte Partizipation und das Live-Podcast feeling lassen viele Einsatzmöglichkeiten in der Kommunikation zu“, so Tilo in einem Linkedin-Beitrag von Jan Thomas. „Dies ist ideal um sich als Experte zu positionieren und auf Clubhouse Themen zu besetzen.“

 

Lucas Florian ist Director der Digital Unit bei PIABO und verantwortet die ganzheitliche Kommunikationsberatung in der digitalen Markenkommunikation im B2C- und B2B-Bereich, Personal Branding sowie Content Marketing. kombiniert dabei seine strategische Expertise mit kreativem Storytelling.