Die Wegwerf-Gesellschaft: Alexander Piutti, CEO von SPRK.global, entwickelt eine Lösung zur Lebensmittelumverteilung

Jedes Jahr verschwenden wir weltweit 1,6 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel – gleichzeitig verhungern 25 Millionen Menschen und eine weitere Milliarde ist unterernährt. Trotzdem müsste in dieser Gleichung doch eigentlich niemand hungern. Soll heißen, jeder Hungertote ist ein Opfer der falschen Verteilung von Nahrungsmitteln. Wie kommt es, dass unsere Lebensmittelverschwendung immer noch so ein großes Problem ist? Müsste der Handel in der Lebensmittelproduktion nicht innerhalb der letzten Jahrzehnte dazugelernt haben und wissen, wie viele Mengen gebraucht werden?

PIABO-CEO Tilo Bonow mit SPRK-CEO Alexander Piutti

Tilo Bonow hat einen Experten auf diesem Feld in den Podcast Business Class eingeladen: Alexander Piutti. Er ist Gründer und CEO des Impact-Startups SPRK.global, das sich die Umverteilung von überproduzierten Lebensmitteln zur Mission gemacht hat. Was sich nun in Berlin als zukunftsträchtiges Geschäftsmodell erwiesen hat, soll langfristig geplant mittels KI-Technologie auf eine globale Ebene gehoben werden. 

Piutti ist seit zwanzig Jahren Unternehmer und hat selbst schon mehrere erfolgreiche Unternehmen gegründet. Als studierter Ingenieur und Automatisierungstechniker fühlt er sich in der Deep Tech Industrie zu Hause. An Erfahrung in der Unternehmensgründung sowie am Verständnis für komplexe Herausforderungen mangelt es ihm also nicht. 

Unsere Kernfrage deswegen heißt: Welche Lösung hat Alexander Piutti mit seinem Unternehmen SPRK.global gefunden, um eines der größten Probleme unserer Zeit zu lösen? Und kann dies ein Ansatz sein, neben Hunger den CO2-Ausstoß zu minimieren?

Doch zurück zum Anfang:

“Es fing mit der einschlägigen Erkenntnis an: Lebensmittelverschwendung passiert nicht irgendwo, sondern direkt vor unserer Haustür. Und das Ausmaß ist noch viel schlimmer als gedacht.”

Die Gründe dafür sind bereits in der Lebensmittelproduktion auszumachen. Piutti erklärt, es werde tendenziell in jeder Stufe der Produktion ein Überhang produziert. Denn: Wer zu scharf plant, riskiert den Verlust von Kunden, sollten diese leer ausgehen und zu anderen Marken abwandern. Erschwerend kommt hinzu, dass unser Konsum von Saison und Wetter abhängt. Hier sei eine Kalkulation im Voraus oft schwierig. Man könne zum Beispiel nicht einschätzen, wie viel Fleisch tatsächlich in der sommerlichen Grillsaison gebraucht werde. 

„Tiere kann man schließlich nicht on demand einen Tag vorher produzieren.“

So kommt es automatisch zur Überproduktion, da mengenmäßig mit einem höheren Konsum gerechnet werde. Und damit sind wir beim SPRK.global Thema. Denn: Wenn es diese Überhänge sowieso gibt, muss man über ein System der Umverteilung nachdenken. SPRK.global hat entsprechend ein komplexes Netzwerk an Partnern aufgebaut, um Unternehmen aus der Industrie, wie Großhändler, Caterer und Restaurantküchen, mit bestehenden Kräften, wie der Tafel oder die Arche, zu stärken. Einen Einblick dazu gibt er im Podcast. 

Alexander Piutti, Gründer und CEO von SPRK.global

Desweiteren spricht Alexander Piutti über mögliche Channel-Konflikte, was dies mit unserer Konsumentenpsychologie zu tun hat, aber auch welche Weichen die Politik stellen muss. Besonders überraschend in diesem Kontext sind seine Forschungserkenntnisse, inwieweit die Lebensmittelverschwendung mit der Klimakrise korreliert:

“Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen dem Klimaschaden auf CO2 Basis und der Lebensmittelverschwendung. 1 Kilo vermeidbare Lebensmittelverschwendung übersetzen sich durchschnittlich in 2,3 Kilo CO2 Ausstoß.”

Diese Ergebnisse sind nicht zuletzt wegen steigender Bevölkerungszahlen und einem größeren Bedarf an Lebensmitteln immer wichtiger. Auch deswegen arbeitet SPRK.global an der Entwicklung eines global funktionierenden, technologiebasierten Systems, dass anhand der B2B-Lieferkette eine Umverteilung von Produktionsüberhängen möglich machen soll. 

„Je größer das Problem, umso besser! Wenn die Lösung dann funktioniert, kann man sie auch skalieren.“

Als leidenschaftlicher Entrepreneur erzählt er weiter über die Technologie, die die Basis seines Unternehmens bildet und erst ermöglicht, sein Geschäftsmodell weltweit skalierbar zu machen. Nichtsdestotrotz klingt durch, dass das Impact-Thema ein neues und erklärungsbedürftiges Konzept sei, das neben einer komplexen Software auch eine Offline-Komponente enthält. Dies hätte unter anderem die Investorensuche erschwert. 

“Man muss Leute finden, die sich für das Thema einsetzen und nicht nur wegen des ROIs investieren wollen.”

Nicht zuletzt hat er einige wertvolle Partner gefunden hat, die ihn bei der Umsetzung seines Projektes unterstützen. Erst kürzlich hat SPRK.global eine sieben-stellige Finanzierungsrunde vollbracht. 

„Jeder der Investoren hat seine eigene Geschichte, wie die zu uns gekommen sind.“ 

Rückblickend geht ihm das Herz auf. Es sei interessant, wie sie mit den richtigen Partnern zusammen gekommen seien und warum dafür auch die Xtreme Tech Challenge ausschlaggebend gewesen ist.

Alexander Piutti und Tilo Bonow

Welche Business Angel sich letztendlich investiert haben, verraten wir an diese Stelle nicht. Es sei gesagt, es sind spannende Leute dabei, die man in der Gründerszene kennt.

Zuletzt nimmt Piutti Stellung zum Verbrauch beim Endkonsumenten:

“40% der Lebensmittelverschwendung finden beim Verbraucher statt.”

Aber auch dafür hat SPRK.global eine starke Lösung entwickelt. Im Podcast Business Class erfahrt ihr mehr davon. Schaltet ein auf AnchorApple PodcastSoundcloud, SpotifyDeezer.