Grüner wird’s nicht? Von wegen!

Dramatische Erkenntnisse aus der Klimaforschung lassen Forderungen nach der Abkehr von einer rein profitorientierten Wirtschaft lauter werden. Immer mehr Unternehmen feilen an nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen, um dem verstärkten Anspruch der Menschen nach klimafreundlichem und sozialverträglichem Konsum gerecht zu werden – und die Zukunft des Planeten zu schützen. Von zentraler Bedeutung sind sogenannte Greentechs: Start-ups, die Technologie-Lösungen zum Umwelt- und Klimaschutz entwickeln und so die traditionelle Wirtschaft herausfordern, althergebrachte Muster zu revidieren. 

(Dies ist ein Auszug aus dem Text Greentech-Start-ups im Fokus: Grüner wird’s nicht? Von wegen!, der zuerst im VDZ Start-up-Report: Greentech [Herbst 2019] erschienen ist.)

© VDZ Verband Deutscher Zeitschriftenverleger

Befeuert durch aktuelle Debatten rund um den Klimaschutz und globale Bewegungen wie Fridays for Future tüfteln immer mehr Gründerinnen und Gründer an grünen Geschäftsideen. Sollen die Pariser Klimaziele – die die Erderwärmung auf unter 2,0° Celsius begrenzen wollen – auch nur ansatzweise eingehalten werden, ist ein schneller gesamtgesellschaftlicher Wandel in Sachen Klima- und Umweltschutz gefordert. Das Schlagwort der Stunde: Green Economy. Denn sie vereint dreierlei Ansprüche: nachhaltige Wertschöpfungsketten, soziale Inklusion und wirtschaftliche Rentabilität. Ein zentraler Baustein sind hier die Greentechs – grüne Technologie-Start-ups. 

Das boomende Geschäft mit der Nachhaltigkeit

Der Atlas “Greentech made in Germany 2018” vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) stellt fest, dass grüne Produkte und Dienstleistungen verstärkt zum Wirtschaftswachstum beitragen. Während der Greentech-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2013 noch bei 13 Prozent lag, kletterte er im Jahr 2016 schon auf 15 Prozent. “Greentech made in Germany” ist zudem ein echter Exportschlager: Schon 2016 hielten deutsche Unternehmen 14 Prozent des weltweiten Greentech-Markts, dessen Marktvolumen damals bei 3,2 Billionen Euro lag. Innerhalb Deutschlands lassen sich heute gut ein Viertel der in den letzten zehn Jahren gegründeten Start-ups als grün einstufen. Einige spannende Beispiele wollen wir uns einmal genauer anschauen.

Nachhaltigkeit im Straßenbau: Solmove 

Das 2014 gegründete Start-up Solmove aus Potsdam baut intelligente Straßen, die gleichzeitig Solaranlagen sind. Diese sollen in Zukunft Elektroautos mit sauberem Strom und Informationen versorgen. Spezielle Photovoltaikmodule, deren Glasoberfläche Licht auf die sich darunter befindlichen Solarzellen lenkt, werden dafür auf Asphalt verlegt und leiten Strom ins öffentliche Energienetz. Laut Gründer Donald Müller-Judex könne so künftig ein Viertel der deutschen Straßen rund 30 Millionen Elektroautos mit Strom versorgen. Ganz ausgereift ist die Technik allerdings noch nicht: Im nordrhein-westfälischen Erftstadt hatte Umweltministerin Svenja Schulze erst im November 2018 Deutschlands erste Solar-Fahrradstraße eröffnet – ganze 90 Meter war diese lang. Inzwischen musste Solmove die Straße wieder abbauen, nachdem ein Schwelbrand  entstanden war und das Unternehmen die Fehlerbehebungen nicht im Rahmen der durch die Stadt Erftstadt gesetzten Fristen beheben konnte. Sogar vor Gericht musste sich das Jungunternehmen hierfür verantworten. Ein herber Rückschlag – doch Solmove testet weiter. 

Vertrieb von recyceltem Plastik: Cirplus

Ein globaler B2B-Online-Marktplatz für recyceltes Plastik? Den will Cirplus errichten – übrigens nicht zu verwechseln mit den Lebensmittelrettern von Sirplus. Ziel des Start-ups aus Hamburg ist es, die Verpackungsindustrie zu revolutionieren. Dazu vernetzt es zwei fragmentierte und analoge Industrien: Entsorgung und Kunststoffverarbeitung. Das 2018 gegründete Unternehmen will so den Plastikkreislauf zu 100 Prozent schließen. Das Greentech packt ein Problem an, das aktueller nicht sein könnte: Pro Jahr werden weltweit mittlerweile laut NABU (Naturschutzbund Deutschland) mehr als 400 Millionen Tonnen Plastik produziert. Mehr als zehn Millionen Tonnen davon geraten jährlich in die Weltmeere und rauben Tieren und Pflanzen den Lebensraum. Höchste Zeit also, etwas zu ändern. 

Infos zu noch mehr spannenden Start-ups sowie einen Überblick über die politischen und wirtschaftlichen Unterstützungsmöglichkeiten und eine Zukunftsprognose gibt es hier im vollständigen Text.