Magie der Daten: Datengetriebenes Storytelling in der Praxis (Teil 2)

Datengetriebene PR-Geschichten erfreuen sich großer Beliebtheit, insbesondere in Wirtschaftsredaktionen sind sie sehr gefragt. Doch die strategische Nutzung von Daten steckt bei vielen Unternehmen bis heute noch in den Kinderschuhen. Nur eines von fünf Unternehmen nutzt einen strategischen Ansatz der datengetriebenen Entscheidungsfindung, berichtet eine Studie von Mention und Mynewsdesk (2019). Die Gründe dafür sind vielfältig: von fehlenden Kompetenzen in der Datenanalyse oder Zeitmangel bis hin zu nicht zugänglichen Daten. 

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Die erste Frage, die sich meistens stellt: Wie erhält man eigentlich aus Daten relevante PR-Inhalte? Und wie können Unternehmen Daten für gezielte Kommunikation nutzen? Zuerst einmal sind alle Daten kalt: sie sind nicht emotional aufgeladen und erzählen auch meist noch keine Geschichte. Die Kunst ist es, in tausenden von Datensätzen relevante Zusammenhänge zu erkennen, diese sinnvoll mit der eigenen Marke zu verknüpfen und eine spannende Story zu erzählen, die einen Mehrwert für möglichst viele Menschen bietet.

Doch wie komme ich an die nötigen Daten und wo fange ich überhaupt an? Grundsätzlich können PR-Schaffende eigene und öffentlich zugängliche Daten verwenden oder sogar einen Mix aus beiden. In unserem letzten Blogpost über Daten-PR haben wir über die Sammlung, Verwendung und Aufbereitung von Daten für die PR gesprochen. Heute wollen wir zwei praktische Beispiele vorstellen, wie wir wertvolle Daten-PR-Geschichten kreiert haben.

Der Single-Städte-Index der Dating-App Tinder

Dating ist ein sehr persönliches Thema und gleichzeitig auch ein sehr spannendes. Viele Menschen möchten wissen, in welcher Stadt es die meisten Singles bzw. die meisten Likes gibt (Stuttgart). Aus diesem Grund hat sich Tinder dazu entschlossen, die Daten der größten Metropolen in Deutschland anonymisiert auszuwerten und in einem Ranking miteinander zu vergleichen. 

Darüber hinaus wurde das durchschnittliche Alter der NutzerInnen (50 Prozent sind zwischen 18 und 24 Jahren), die beste Tageszeit zum Tindern (montags um 20 Uhr, der häufigste Verwendungstag (Valentinstag), die beliebtesten Songs unter den Nutzern (In My Feelings von Drake) und die Serien-Favoriten (Game of Thrones) geteilt. Mehr Infos auf stuttgarter-zeitung.de

Das ÖPNV-Ranking vom Verbraucherportal Testberichte.de

Ein fast ebenso emotionales Thema wie das Dating sind die Fahrkartenpreise für den öffentlichen Nahverkehr in Deutschlands Großstädten. Weil beim unabhängigen Verbraucherportal hierfür keine eigenen Daten vorlagen, entschied man sich kurzerhand für die Sammlung der öffentlich zugänglichen Daten auf den Seiten der Anbieter wie BVG und MVG. Betrachtet wurden die Preise (werktags 8 Uhr) für Einzelfahrscheine für Erwachsene, Kinder, Hunde und Fahrräder sowie die Abopreise von Monatskarten für Erwachsene und Schüler. Das Ranking wurde kurz vor der Änderung der Preise zum Jahreswechsel online mit einer interaktiven Karte und exklusiv auf Spiegel Online veröffentlicht sowie später regional in 16 Bundesländern verbreitet. Mehr Infos auf spiegel.de

Daten zum eigenen Vorteil nutzen

Die zwei Beispiele belegen, dass sich viele spannende Storys aus Fakten entwickeln lassen. Sie steigern nicht nur die Markenbekanntheit, sondern beeinflussen auch nachhaltig die Auffindbarkeit über Google und erhöhen den Traffic. Oft ist es am wirkungsvollsten, die Erkenntnisse aus den Daten visuell aufzubereiten. Denn visuelle Botschaften sind aufmerksamkeitsstärker. Um außerdem die Wahrscheinlichkeit einer Verlinkung/eines Backlinks zu erhöhen, empfiehlt es sich, eine eigene Kampagnenseite zu erschaffen. Zu guter letzt und für alle, die sich professionell mit Daten-PR beschäftigen, können – analog zum Journalismus – eigene Programme mit sogenannten APIs, also Schnittstellen, erschaffen werden, die automatisch relevante Daten ziehen und strukturieren.

Autor: Dominik Kratzenberg

Dominik Kratzenberg ist Communication Director bei PIABO und kommuniziert sehr mehr als fünf Jahren für (inter)nationale Marken aus den Bereichen Consumer Electronics, Apps, E-Commerce und Verbraucherportale. Seine Leidenschaft aus Daten spannende Geschichten zu erzählen, entstand während seiner Arbeit für und mit Deutschlands größten unabhängigen Verbraucherportal Testberichte.de sowie durch zahlreiche inspirierende Gespräche mit Daten-Analysten auf Konferenzen wie der Data Natives in Berlin.